Insights vom TYPO3 Camp Berlin 2025
Wie der Government Site Builder (GSB) TYPO3-Websites des Bundes verändert
Jürgen Michael Kindler | 18.10.2025 | zuletzt aktualisiert am 19.05.2026
Beim TYPO3 Camp Berlin 2025 wurde in einer der aufschlussreichsten Sessions von Daniel Fau (TYPO3 GmbH) deutlich, wie weit der Government Site Builder (GSB) inzwischen gereift ist – und wie stark er die Arbeit an Bundeswebsites strukturell verändert. Was vor zwei Jahren noch wie ein rein technisches Migrationsprojekt wirkte, zeigt sich heute als grundsätzliche Veränderung: Statt der bisher üblichen, jeweils individuell entwickelten TYPO3-Auftritte einzelner Bundesbehörden gibt es nun einen standardisierten Baukasten mit klaren Vorgaben, festen Komponenten und einem einheitlichen Backend.
Agenturen entwickeln nicht mehr komplette TYPO3-Setups, sondern konfigurieren einen vorgegebenen Rahmen.
Dabei verlagert sich der Schwerpunkt von individueller Entwicklung hin zu Beratung, Governance und redaktioneller Qualität. Genau darin liegt der eigentliche Wandel: Die Wertschöpfung verlagert sich weg von der Technik hin zu Strategie, Prozessen und Consulting.
Viele in der Community haben diese Tragweite unterschätzt. Nach Faus Ausführungen herrschte im Raum kurz lautes Schweigen – nicht aus Überraschung, sondern weil deutlich wurde, dass der GSB nicht nur Technik ersetzt, sondern Rollen, Prozesse und Wertschöpfung im öffentlichen Sektor neu sortiert.
Kurz gesagt: Der GSB reduziert technische Projektarbeit, erhöht aber den Bedarf an fachlicher Steuerung, Governance, Priorisierung und redaktioneller Begleitung. Das Agenturgeschäft wird nicht kleiner – aber es verändert sich grundlegend.
Update vom November 2025
Neue Impulse aus der diesjährigen T3CON
Berichte aus der Community – unter anderem von der T3CON 2025 – bestätigen den Eindruck aus dem TYPO3 Camp: GSB11 wird inzwischen nicht mehr als einmaliges Migrationsprojekt verstanden, sondern als langfristiges Infrastrukturvorhaben für die Webauftritte der Bundesbehörden. Mit dem Rahmenvertrag „Los 3“ hat das ITZBund Materna als Generalunternehmen für die Migration vom bisherigen GSB10 auf GSB11 beauftragt; die 16 beteiligten TYPO3-Agenturen arbeiten dabei als Implementierungspartner unter einem gemeinsamen organisatorischen Dach. Technische Grundlage bleibt – stand heute – TYPO3 12 LTS, was im öffentlichen Sektor die notwendige Stabilität für Betrieb und Governance sicherstellt.
Die Migrationsleistungen sind über das Kaufhaus des Bundes für rund 530 Bedarfsträger abrufbar. Diese Größenordnung macht deutlich, dass der GSB nicht nur ein technisches Projekt ist, sondern ein langfristiges Vorhaben mit erheblichem Koordinations- und Beratungsbedarf.
Interessant ist vor allem, wo externe Dienstleistende ins Spiel kommen. Denn der Kern des GSB – seine standardisierten Pakete, vordefinierten Funktionsbausteine und festen Release-Zyklen – liegt bei Bund und Konsortialagenturen. Rundherum entstehen jedoch konkrete Aufgabenfelder, zum Beispiel:
- Onboarding von Behörden: GSB erklären, Rollen klären, Redaktionen schulen
- Content-Migration und Strukturierung bestehender Inhalte in GSB-Seiten und -Bausteine
- Beratung zu Accessibility und redaktioneller Qualität auf Basis der GSB-Komponenten
- Anbindung externer Systeme wie Fachverfahren, Formularserver, Karten- und Datenquellen
- laufende Qualitätssicherung, Tests und Vorbereitung auf GSB-Updates aus Sicht der Behörde
- Moderation und Priorisierung von Änderungswünschen in Richtung der GSB-Gremien
Damit wird deutlicher, wo der Handlungsspielraum außerhalb des GSB-Kernsystems liegt: nicht in der Erweiterung oder Veränderung des GSB selbst, sondern in der Beratung zum Umgang mit den erlaubten Optionen – insbesondere im Self-Hosted-Modell. Hier geht es darum, technische Möglichkeiten und die Vorgaben des Standards sauber auszubalancieren und Behörden bei Integration, Prozessen, Accessibility und redaktioneller Qualität zu begleiten. Genau dort entsteht das langfristige Arbeitsfeld für TYPO3-Fachleute mit Public-Sector-Expertise.
Update vom Mai 2026
Produktentwicklung und Weiterentwicklung des GSB11
Im Mai 2026 wurde die Rollenverteilung rund um den GSB11 klarer: Neben dem Rahmenvertrag für Los 3, der die Migration bestehender GSB10-Websites auf GSB11 betrifft, gibt es einen eigenen mehrjährigen Rahmenvertrag für die Produktentwicklung und Weiterentwicklung des GSB11.
Die Weiterentwicklung des GSB11 erfolgt laut CPS-Mitteilung durch ein Team aus TYPO3- und Digitalagenturen: CPS, 3pc, brandung, DFAU, in2code, THE BRETTINGHAMS und queo. In den kommenden vier Jahren soll dieses Agentur-Konsortium das neue Content-Management-System für die obersten Bundesbehörden weiterentwickeln.
Damit wird die Trennung zwischen Migration und Produktentwicklung deutlicher. Materna steht im Rahmen von Los 3 für die Migration bestehender GSB10-Auftritte, Rollout und Schulungen. Die Weiterentwicklung des eigentlichen GSB11-Basisprodukts – also der distributionsspezifischen Komponenten, Konfigurationen und Bund-Erweiterungen auf Basis von TYPO3 – liegt dagegen bei einem eigenen Team aus spezialisierten TYPO3- und Digitalagenturen.
Strategisch ist vor allem die Rolle des ITZBund relevant. Das ITZBund ist Auftraggeber des Weiterentwicklungsprojekts und bleibt damit die zentrale Instanz für Plattformverantwortung, Steuerung und Governance. Die Dienstleister entwickeln nicht „frei“, sondern innerhalb eines vorgegebenen Rahmens, der langfristige Wartbarkeit, Sicherheit, Barrierefreiheit und digitale Souveränität der Bundesverwaltung absichern soll.
Kurz gesagt: GSB11 ist inzwischen nicht mehr nur als Migrationsprojekt zu verstehen. Sichtbar wird eine dauerhafte Plattformlogik: Migration, Betrieb, Produktentwicklung, Governance und Behördenbegleitung greifen ineinander – aber mit unterschiedlichen Rollen, Verantwortlichkeiten und Dienstleisterstrukturen.
