Daniel Fau (CEO TYPO3 GmbH) hält auf dem TYPO3 Camp Berlin 2025 einen Vortrag. Im Hintergrund die Leinwand mit der Startfolie "Goverment Sitebuilder Status zu T3CB (Updated: 18.10.2025)
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Insights vom TYPO3 Camp Berlin 2025

Wie der Government Site Builder (GSB) TYPO3-Websites des Bundes verändert

Jürgen Michael Kindler | 18.10.2025 | zuletzt aktualisiert am 26.08.2026

Beim TYPO3 Camp Berlin 2025 wurde in einer der aufschlussreichsten Sessions von Daniel Fau (TYPO3 GmbH) deutlich, wie weit der Government Site Builder (GSB) inzwischen gereift ist – und wie stark er die Arbeit an Bundeswebsites strukturell verändert. Was vor zwei Jahren noch wie ein rein technisches Migrationsprojekt wirkte, zeigt sich heute als grundsätzliche Veränderung: Statt der bisher üblichen, jeweils individuell entwickelten TYPO3-Auftritte einzelner Bundesbehörden gibt es nun einen standardisierten Baukasten mit klaren Vorgaben, festen Komponenten und einem einheitlichen Backend.

Agenturen entwickeln nicht mehr komplette TYPO3-Setups, sondern konfigurieren einen vorgegebenen Rahmen. Dabei verlagert sich der Schwerpunkt von individueller Entwicklung hin zu Beratung, Governance und redaktioneller Qualität. Genau darin liegt der eigentliche Wandel: Die Wertschöpfung verlagert sich weg von der Technik hin zu Strategie, Prozessen und Consulting.

Viele in der Community haben diese Tragweite unterschätzt. Nach Faus Ausführungen herrschte im Raum kurz lautes Schweigen – nicht aus Überraschung, sondern weil deutlich wurde, dass der GSB nicht nur Technik ersetzt, sondern Rollen, Prozesse und Wertschöpfung im öffentlichen Sektor neu sortiert.

Kurz gesagt: Der GSB reduziert technische Projektarbeit, erhöht aber den Bedarf an fachlicher Steuerung, Governance, Priorisierung und redaktioneller Begleitung. Das Agenturgeschäft wird nicht kleiner – aber es verändert sich grundlegend.


Update vom November 2025

Neue Impulse aus der diesjährigen T3CON

Berichte aus der Community – unter anderem von der T3CON 2025 – bestätigen den Eindruck aus dem TYPO3 Camp: GSB11 wird inzwischen nicht mehr als einmaliges Migrationsprojekt verstanden, sondern als langfristiges Infrastrukturvorhaben für die Webauftritte der Bundesbehörden. Mit dem Rahmenvertrag „Los 3“ hat das ITZBund Materna als Generalunternehmen für Migrationen und Relaunches auf den GSB11 beauftragt; die 16 beteiligten TYPO3-Agenturen arbeiten dabei als Implementierungspartner unter einem gemeinsamen organisatorischen Dach. Technische Grundlage bleibt – stand heute – TYPO3 12 LTS, was im öffentlichen Sektor die notwendige Stabilität für Betrieb und Governance sicherstellt.

Die Migrationsleistungen sind über das Kaufhaus des Bundes für rund 530 Bedarfsträger abrufbar. Diese Größenordnung macht deutlich, dass der GSB nicht nur ein technisches Projekt ist, sondern ein langfristiges Vorhaben mit erheblichem Koordinations- und Beratungsbedarf.

Interessant ist vor allem, wo externe Dienstleistende ins Spiel kommen. Denn der Kern des GSB – seine standardisierten Pakete, vordefinierten Funktionsbausteine und festen Release-Zyklen – liegt bei Bund und Konsortialagenturen. Rundherum entstehen jedoch konkrete Aufgabenfelder, zum Beispiel:

  • Onboarding von Behörden: GSB erklären, Rollen klären, Redaktionen schulen
  • Content-Migration und Strukturierung bestehender Inhalte in GSB-Seiten und -Bausteine
  • Beratung zu Accessibility und redaktioneller Qualität auf Basis der GSB-Komponenten
  • Anbindung externer Systeme wie Fachverfahren, Formularserver, Karten- und Datenquellen
  • laufende Qualitätssicherung, Tests und Vorbereitung auf GSB-Updates aus Sicht der Behörde
  • Moderation und Priorisierung von Änderungswünschen in Richtung der GSB-Gremien

Damit wird deutlicher, wo der Handlungsspielraum außerhalb des GSB-Kernsystems liegt: nicht in der Erweiterung oder Veränderung des GSB selbst, sondern in der Beratung zum Umgang mit den erlaubten Optionen – insbesondere im Self-Hosted-Modell. Hier geht es darum, technische Möglichkeiten und die Vorgaben des Standards sauber auszubalancieren und Behörden bei Integration, Prozessen, Accessibility und redaktioneller Qualität zu begleiten. Genau dort entsteht das langfristige Arbeitsfeld für TYPO3-Fachleute mit Public-Sector-Expertise.


Update vom Mai 2026

Produktentwicklung und Weiterentwicklung des GSB11

Im Mai 2026 wurde die Rollenverteilung rund um den GSB11 klarer: Neben dem Rahmenvertrag für Los 3, der Migrationen und Relaunches auf den GSB11 sowie begleitende Schulungen umfasst, gibt es einen eigenen mehrjährigen Rahmenvertrag für die Produktentwicklung und Weiterentwicklung des GSB11.

Die Weiterentwicklung des GSB11 erfolgt laut CPS-Mitteilung durch ein Team aus TYPO3- und Digitalagenturen: CPS, 3pc, brandung, DFAU, in2code, THE BRETTINGHAMS und queo. In den kommenden vier Jahren soll dieses Agentur-Konsortium das neue Content-Management-System für die obersten Bundesbehörden weiterentwickeln.

Damit wird die Trennung zwischen Migration und Relaunch auf der einen und Produktentwicklung auf der anderen Seite deutlicher. Materna steht im Rahmen von Los 3 für Migrationen und Relaunches auf den GSB11 sowie für Rollout und Schulungen. Die Weiterentwicklung des eigentlichen GSB11-Basisprodukts – also der distributionsspezifischen Komponenten, Konfigurationen und Bund-Erweiterungen auf Basis von TYPO3 – liegt dagegen bei einem eigenen Team aus spezialisierten TYPO3- und Digitalagenturen.

Strategisch ist vor allem die Rolle des ITZBund relevant. Das ITZBund ist Auftraggeber des Weiterentwicklungsprojekts und bleibt damit die zentrale Instanz für Plattformverantwortung, Steuerung und Governance. Die Dienstleister entwickeln nicht „frei“, sondern innerhalb eines vorgegebenen Rahmens, der langfristige Wartbarkeit, Sicherheit, Barrierefreiheit und digitale Souveränität der Bundesverwaltung absichern soll.

Kurz gesagt: GSB11 ist inzwischen nicht mehr nur als Migrationsprojekt zu verstehen. Sichtbar wird eine dauerhafte Plattformlogik: Migration, Betrieb, Produktentwicklung, Governance und Behördenbegleitung greifen ineinander – aber mit unterschiedlichen Rollen, Verantwortlichkeiten und Dienstleisterstrukturen.


Update vom August 2026

Die GSB11-Migration dürfte länger dauern als zunächst erwartet

Noch im Frühjahr 2026 bin ich davon ausgegangen, dass mit der nun verfügbaren GSB11-Plattform relativ schnell eine größere Migrationswelle einsetzen könnte. Bei nüchterner Betrachtung spricht inzwischen allerdings einiges dafür, dass sich der Übergang von GSB7 auf GSB11 über einen deutlich längeren Zeitraum erstrecken wird.

Ein wichtiger Hinweis darauf sind bereits die offiziellen Laufzeiten des GSB7. Der Software-Support für GSB 7.5 endet zum 31.12.2026, für GSB 7.6 dagegen erst zum 30.06.2028. Bestehende GSB-7.6-Mandanten können beim ITZBund sogar bis zum 31.12.2028 weiter gehostet werden.

Damit gibt es für viele Behörden zunächst keinen unmittelbaren technischen Zwang zur Migration. Gleichzeitig ist der Wechsel von GSB7/CoreMedia auf GSB11/TYPO3 eben kein gewöhnliches Versionsupgrade. Das ITZBund weist selbst darauf hin, dass Dauer und Aufwand einer Migration unter anderem vom Quellsystem, vom Umfang des Webauftritts und von dessen funktionaler Komplexität abhängen. Auch ein vorgesehenes Migrationstool wird nicht sämtliche Inhalte vollständig automatisiert in die neuen GSB11-Strukturen überführen können.

Ich halte deshalb inzwischen einen gestreckten Übergang für wahrscheinlicher: zunächst Kompetenzaufbau sowie Pilot- und erste Migrationsprojekte, danach eine zunehmende Zahl von Umstellungen, während GSB7 parallel noch über längere Zeit betrieben wird.

Auch für Dienstleister verändert das die Perspektive. Statt eines kurzfristigen „GSB11-Booms“ könnte über mehrere Jahre hinweg ein wachsender Bedarf entstehen - nicht nur bei der eigentlichen technischen Migration, sondern ebenso bei Requirements Engineering, technischer Konzeption, TYPO3-Kompetenz, Qualitätssicherung und Projektsteuerung.